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Paul McCandless Quintet: Live at Kimball's East 1992 (Review)

Artist:

Paul McCandless Quintet

Paul McCandless Quintet: Live at Kimball's East 1992
Album:

Live at Kimball's East 1992

Medium: CD
Stil:

Jazz Rock, Fusion

Label: Moosicus/MIG music
Spieldauer: 72:50
Erschienen: 27.02.2026
Website: [Link]

Hier kommt ein Album für die besonderen Jazz-Feinschmecker, denen speziell die Alben von JAN GARBAREK Bis hin zu PAT METHENY am Herzen liegen. Es gibt sogar deutliche Parallelen, denn auf „Live at Kimball's East 1992“ des PAUL MCCANDLESS QUINTETs gibt es am akustischen Piano, den leider im Jahr 2020 verstorbenen, LYLE MAYS zu hören, der an den besten Alben eines Mr. Metheny maßgeblich mitwirkte. Noch dazu sorgt FRED SIMON an den Synthesizern für eine warme, klangvolle und elektrifizierte Note, die dem durch die akustischen Blasinstrumente ihres Frontmannes getragenen Jazz eine moderne Ausstrahlung mit viel Rock-Appeal und spannende Harmonien gegenüberstellt. Auch Bassist STEVE RODBY war bei PAT METHENY aktiv – ein weiterer Gradmesser hinter „Live at Kimball's East 1992“. Und dass am stärksten OREGON mit durchklingen, ist bei diesem Frontmann Paul McCandless, der in den 1970ern besagter Band angehörte, selbstverständlich.


So beginnt das Konzert ruhig, entspannter und fast ein wenig verträumt mit „Robin“, um dann mit „Punch“ zum großen, druckvollen Schlag anzusetzen, dem „The Marvelous Harlequin Duck“ weltmusikalisch mit viel Flöte und herrlich komplexem Schlagzeug- und Percussion-Spiel sowie fettem Bass-Solo – hier gibt’s völlig gerechtfertigt während der acht Minuten den einen oder anderen Zwischen-Applaus und tobenden Applaus am Ende – immer wieder überraschende Stimmungswechsel. Erinnerungen an einen CHRIS HINZE werden auf diesem absolut bewegenden Stück wach, wenn sich die Flöte lautstark in den Mittelpunkt spielt.

Auf „Hard Eights“, dem mit knapp 13 Minuten längsten Stück, kommt gleich noch ein beeindruckendes, für die Jazz-Live-Szene längst obligatorisches Schlagzeug-Solo, hinzu.


Das Stück „Free“ ist schon vom Titel her Programm.
Hier improvisiert das PAUL MCCANDLESS QUINTET frei jazzend drauflos und hinterlässt für alle Free-Jazz-Freunde einen sicher bleibenden Eindruck, der einer düsteren Thematik zu folgen scheint und wohl auch dem Publikum so einiges abverlangte, da sich hier gerade Fred Simon an seinem Synthesizer immer wieder in den Vordergrund spielte, wobei man wissen sollte, dass Simon ebenfalls aktiv bei LARY CORYELL und RALPH TOWNER war, was man unweigerlich hört. Dass er auch die BEACH BOYS schon an den Tasten bereicherte, kommt allerdings nicht zum Ausdruck. Anders sieht das schon beim Schlagzeuger Mark Walker aus, dessen Aktivitäten bei OREGON so einige Spuren auch im PAUL MCCANDLESS QUINTET hinterlassen, was gerade in „Free“ und „Hard Eights“ unüberhörbar ist.

So erscheint es fast zwingend, dass – um die doch recht angespannte Jazz-Atmosphäre aufzulösen – mit „Cloudy This Morning“ ein ruhiger, harmonischer und wolkenverhangener Morgengruß seine harmonischen Live-Bahnen durch das „Kimball's East“ zieht.

Am Ende verabschiedet uns der Zehnminuter „Slink“ mit einer gelungenen Mischung aus Harmonie und Komplexität, Schönklang und Improvisation aus dem mächtig umjubelten Konzert, das die ganze Schönheit des 90er-Jahre-Jazz als eine Fusion der Stimmungen und Stile (Modern Jazz, Rock, Weltmusik, Freistil usw.) abbildet, die man heutzutage leider immer seltener zu hören bekommt.


Da ist es nur gut, dass durch MiG music diese feine Live-Entdeckung in dieser hervorragenden Live-Musik- und Live-Sound-Qualität anno 2026 zu hören bekommt, wobei auch die Hintergründe, wie es überhaupt zur Veröffentlichung dieser eigentlich verschollenen Aufnahme kam, spannend und im Booklet nachzulesen sind. Hierzu gibt Koproduzent Jon Krosnick, der von 2015 bis 2019 ausgiebig mit Paul McCandless tourte, Auskunft: „Eines Tages war ich bei Paul zu Hause und sortierte Material für seine Website. Als er auf eine Leiter stieg, um in einen kleinen Lagerraum in der Garage zu gelangen, entdeckte er dabei ein schlecht beschriftetes Tonband. Ich nahm es mit nach Hause, spielte es ab und wusste sofort: 'Das müssen wir veröffentlichen!'.“
Nun kam auch noch der bei diesem Konzert aktive Bassist, Steve Rodby, mit ins Spiel, der sich in die klangliche Bearbeitung der Aufnahmen reinhängte: „Meine Beziehung zu Paul, diese Musik und diese Erinnerungen sind für mich sehr kostbar. Es ist eine Freude, all das wieder aufleben zu lassen. Die Veröffentlichung dieses Live-Sets aus dem Jahr 1992 ist eine ergreifende Erinnerung an das tiefe Gefühl des Verlusts, das wir alle durch den Tod von Lyle Mays im Jahr 2020 empfunden haben.“

Das und vieles mehr rund um dieses Quintett sowie die Geschichte hinter dem Konzert gibt es in dem 12-seitigen Booklet mit umfangreichem, hochinformativem Begleittext von Bill Milkowski, der als Journalist ein ausgewiesener Experte im Rahmen der Jazz-Szene ist, nachzulesen.

Mal wieder ein echt rares Spitzenprodukt aus dem Label-Hause MiG music!


FAZIT: Da wäre dem Freund von richtig guter Jazz-Musik irgendwo zwischen OREGON, RALPH TOWNER, PAT METHENY und JAN GARBAREK aber gehörig etwas entgangen, wenn PAUL McCANDLESS diese Live-Aufnahmen nicht in seiner Garage entdeckt und an einen Freund weitergeleitet hätte, der sie in sehr guter Stereo-Klang- und damit in bester Live-Qualität zum Klingen bringt. „Live at Kimball's East 1992“ des PAUL MCCANDLESS QUINTETs ist ein historisches Zeitdokument voller absolut hochklassiger Aufnahmen mit Musikern (LYLE MAYS, FRED SIMON, MARK WALKER und STEVE RODBY), die jeder für sich bereits einen echten Namen in der Jazz-Szene haben und allesamt noch dazu in verschiedenen Kategorien Grammy-prämiert sind bzw. waren. Für jeden Jazz-Freund unverzichtbar!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 125x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Robin
  • Punch
  • The Marvelous Harlequin Duck
  • Last Bloom
  • Rainland
  • Hard Eights
  • Free
  • Cloudy This Morning
  • Tail Wind
  • Slink

Besetzung:

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